Skip to main content

Sind eBooks nur Bücher 2.Klasse?

Gelobt sei die Buchpreisbindung! In unserem Lande erfreuen sich die Verlage an der längst überholten Regelung und bieten eBooks in den meisten Fällen zu dem gleichen Preis an, wie die gebundene Version. Anders sieht es in anderen Ländern ohne Buchpreisbindung aus. Hier werden Titel in elektronischer Form deutlich günstiger angeboten. Entsprechend groß ist die Angst, dass man sich mit günstigen Preisen für eBooks das eigentliche Geschäft kaputt macht.

Die Folge: Große Verlage vermeiden es beim Start von Bestsellern, die Inhalte auch in elektronischer Form auf den Markt zu werfen. Bestes Beispiel ist die aktuelle Autobiografie von Andre Agassi, dem tennisspielenden Ehemann von Steffi Graf. Diesen Titel werden Sie momentan nirgends auf der Welt in elektronischer Form kaufen können. In der Vergangenheit hatte die Branche bei vergleichbaren Cashcows ähnlich verfahren. Erst wenn genügend Umsatz mit den Kassenschlagern eingefahren wurde, versuchten die Verlage noch weitere Gewinne über Taschenbücher und eBooks zu realisieren.

Doch gerade das eBook bräuchte in der jetzigen Startphase die großen Titel, damit es für die breite Masse interessant wird. Solange nicht die wichtigen Veröffentlichungen auch in elektronischer Form auf den Markt kommen, werden auch die Lesegeräte in den Regalen bleiben.

Genau dieser Teufelskreis sorgte schon vor einigen Jahren dafür, dass sich eBooks nie wirklich auf dem Weltmarkt etablieren konnten. Solange die Verlage das elektronische Buch so einschätzen, wird das eBook nur ein Buch der 2.Klasse bleiben und nur eine Form der Zweitverwertung fristen.

In Deutschland wird mit dem Thema eBook noch einfacher verfahren, die großen Verlage verzichten gleich völlig auf die Veröffentlichung von eBooks. Es lebe die Buchpreisbindung!

Wilfred Lindo